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Vereinsleben > Wir über uns

Immer in Bewegung – seit 125 Jahren

Was mit Leibesübungen im Geiste von Turnvater Jahn anfing, hat sich zu einem umfassenden und attraktiven Sport- und Erlebnisangebot entwickelt.
Ob Knirpse bei der Kinderleichtathletik, Teens beim Showtanz oder Erwachsene, die Mannschaftssport, Gesundheits- und Fitnesstraining oder Ausdauersport betreiben:

Zum TVL zieht es alle, die in der Freizeit mit ihrem Körper mehr tun wollen,
als ihn für die Nahrungsaufnahme oder die Verfolgung der Sportberichterstattung im Fernsehen zu nutzen.

Den Bewegungsfreudigen stehen dabei gut ausgebildete Trainer und eine hochmoderne Sporthalle zur Verfügung.
Der 2003 eingeweihte Bau in Ortsrandlage ersetzte die kleine Turnhalle aus den 30er Jahren, in der sich Generationen von Lorsbachern fit gehalten haben.
Trotz des Charmes der historischen Räumlichkeiten – erst mit dem neuen Sporttempel am Schinderwald konnte der TVL seine vielen Aktivitäten zu einem attraktiven Programm für aktive Menschen bündeln und seine Mitgliederzahlen verdoppeln.

125 Jahre Turnverein 1885 Lorsbach

Die Anfänge der Turnbewegung im Deutschen Bund und Herzogtum Hessen-Nassau

Die Anfänge der Turnbewegung in Deutschland sind eng mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verknüpft. Gegen Ende der napoleonischen Kriege hatten sich mehr als 1.500 souveräne deutsche Staaten gebildet, zumeist Zwergstaaten, die vor allem den Bedürfnissen ihrer Machthaber dienten.
Die damals von Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) in Berlin ins Leben gerufene Turnbewegung fühlte sich den nationalen Parolen „Ehre, Freiheit, Vaterland“ verpflichtet. Jahns Ziel war nicht nur eine körperliche Ausbildung, sondern den ganzen Menschen wollte er zum tüchtigen Bürger formen, mit offenem Sinn für die Schönheiten der Natur. Das herausragende Verdienst Jahns ist aber sozialpolitisch in der Öffnung des Turnens für alle Gesellschaftsschichten zu sehen. Dieser Jahn’sche Geist erfasste rasch große Teile der deutschen Jugend. In den großen Städten wurden die ersten Turnvereine gegründet. Zwei Vereine der damaligen Epoche bestehen noch heute: die Hamburger Turnerschaft von 1816 und der Mainzer Turnverein von 1817.
Freilich war Jahn niemals unumstritten. Sein Streben nach Einheit und Freiheit verkörperte die Sehnsucht vieler Landsleute, erregte aber immer wieder den Argwohn der Regierungen. Seine Deutschtümelei und die bedingungslose Ablehnung aller fremden und besonders französischen Einflüsse erscheinen uns heute überspannt und stießen auch schon damals auf Kritik im freiheitlichen und demokratischen Lager.
Die weitere Entwicklung des Turnens wurde durch die innenpolitischen Verhältnisse der deutschen Staaten bestimmt. Das Misstrauen der Herrschenden richtete sich gegen alle freiheitlichen Regungen und rückte Jahn und seine Anhänger, die mit unterschiedlichen Auffassungen am bewegten politischen Leben Anteil nahmen, in die Nachbarschaft revolutionärer politischer Aktivisten.
Die rasante Industrialisierung ab etwa 1830 brachte wirtschaftlichen Aufschwung, schuf aber zugleich gewaltige soziale Probleme. Die Menschen, die von der durch die Industrialisierung ausgelösten Krise unmittelbar betroffen waren, die einfachen Bürger und insbesondere die Industriearbeiter suchten und fanden in den Turnvereinen eine sportliche Heimat. Der am 10. November 1859 gefeierte 100. Geburtstag Friedrich Schillers gab der nationalen Bewegung in Deutschland neuen Auftrieb. Die Vereine der Turner, Sänger und Schützen bildeten regionale und nationale Dachorganisationen. In dieser Zeit entstanden in Deutschland etwa 300 Turnvereine, mit Schwerpunkt in Süddeutschland. Überall wurden Turnplätze eingerichtet. Auch im Rhein-Main Gebiet bildeten sich die ersten Vereine. Das Turngeschehen im hiesigen Raum ist eng mit dem Namen des Frankfurter Verlegers August Ravenstein verknüpft, der 1844 auch das Feldbergfest als ältestes deutsches Bergfest ins Leben rief. Das Turnerkreuz mit den vier F »frisch – fromm – fröhlich – frei« wurde 1844 eingeführt und symbolisierte die geistig-sittliche Haltung der Turner.
Der Druck der Obrigkeit auf die Turner und ihre Vereine ließ nur allmählich nach. Die auf dem Gebiet des Deutschen Bundes Anfang 1820 erlassene Turnsperre, d.h. Verbot des Turnens, wurde in Preußen im Jahre 1842, in Hessen-Nassau dagegen offiziell erst 1860 aufgehoben. Doch schon vor 1860 gab es im Nassauer Land mehrere Vereinsgründungen; so besteht der TV Wicker seit 1848. Im Jahr der bürgerlichen Revolution von 1848 fand am 7. Mai der 1. Nassauische Turntag auf Schloss Oranienstein bei Diez statt. Es kam dort zur Gründung eines Bezirksverbandes von 23 nassauischen Turnvereinen.
Anlässlich des ersten Deutschen Turnfestes in Coburg wurde 1860 der Grundstein zur Deutschen Turnerschaft gelegt. Das glänzend verlaufene Coburger Fest übte eine gewaltige Wirkung aus, und es entstanden überall neue Vereine, so auch im Gebiet Main-Taunus. 1860 ist das Geburtsjahr vom TV Hofheim, 1861 von der TSG Eppstein und vom TV Flörsheim.
Die regionalen und nationalen Verbände schufen die organisatorischen Voraussetzungen für neue Vereinsgründungen. Es wurden Kreis- und Gauturnwarte ernannt, regelmäßige Bestandserhebungen durchgeführt. Vorturnerlehrgänge sicherten die turnerische Ausbildung. 1879 wurden die Musterriegen geschaffen, die 1880 auf dem Deutschen Turnfest in Frankfurt zu sehen waren.

Als Folge der industriellen Revolution und der Kriege von 1866 und 1870/71 wuchsen die innenpolitischen Spannungen in Deutschland. Die durch die industrielle Revolution neu entstandene Klasse der Industriearbeiter fühlte sich in vielen Bereichen des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens von den Besitzenden ausgegrenzt.
Lorsbach blieb von diesen strukturellen Veränderungen und dem Wandel der bäuerlich geprägten Beschäftigungsstruktur nicht verschont. Hier gab es seit 1881 in der Trutzmühle eine erste Lederfabrik, die eine für damalige Verhältnisse große Zahl von Arbeitern beschäftigte. In den folgenden Jahren wurden auch in den anderen ehemaligen Mühlen Lorsbachs Lederfabriken eingerichtet. Als Folge der Ansiedlung der Lederindustrie stieg die Einwohnerzahl Lorsbachs rasch. Bis zum Jahr 1875 gab es mit ca. 460 Einwohnern keine nennenswerten Veränderungen. Im Gründungsjahr des Turnvereins 1885 waren es bereits 585, 1890 621 und 1900 schon 806 Einwohner. Zu dieser Bevölkerungsentwicklung hat sicher auch die im Jahre 1877 in Betrieb genommene, durch Lorsbach führende Eisenbahnline von Frankfurt nach Limburg beigetragen. Sie erlaubte den Lorsbacher Arbeitern zu ihren zumeist in Frankfurt-Höchst liegenden Arbeitsstätten wie auch den vielen auswärtigen Lederarbeitern zu ihren Arbeitsplätzen nach Lorsbach zu pendeln.


Die Gründung im Jahre 1885


Als der TV 1885 Lorsbach am 5. Juli 1885 gegründet wurde, gab es im Ort bereits zwei Gesangsvereine, den 1879 gegründeten „Sängerbund“ sowie den 1883 entstandenen „Gesangverein Frohsinn“.
Aus der Gründungsgeschichte des Turnvereins 1885 Lorsbach ist bekannt, dass die Initiative von Theodor Fischer ausging. Er war Lederarbeiter und aktiver Turner in Mainz und Hofheim und außerdem vielfacher Sieger auf Gau- und Bergturnfesten. Zwei weitere Gründungsmitglieder (Adolf Melchior und Konrad Wagner) waren ebenfalls in der Lederindustrie beschäftigt, die übrigen vermutlich Handwerksgesellen und Bauernsöhne. Die Gründungsversammlung bestätigt das bereits vorher festgelegte Vereinsmotto:

Mannhaft stark und treu bis ins Mark  1885

Auszug aus dem Gründungsprotokoll:

5. Juli 1885
Heute wurde von den nachverzeichneten Herren bei Gastwirt J. Aul eine Versammlung abgehalten.

1. Theodor Fischer    8. Luis Roos
2. Moritz Schäfer    9. Christian Kern
3. Wilhelm Kräckmann    10. Carl Fuchs
4. Gustav Finger    11. Anton Clot
5. Philipp Becker    12. August Löber
6. Christian Roth    13. Robert Kräckmann
7. Adolf Melchior    14. Conrad Heil

Intention dieser Versammlung war die lang geplante Gründung eines Turnvereins in hiesiger Gemeinde. Nachdem die weiteren Vereinbarungen getroffen wurden und die Satzungen (ein Auszug aus denen des Turnvereins von Hering) vorgelesen und Billigung der Versammelten gefunden, wurde die Vorstandswahl auf kommenden Sonntag festgesetzt. Aus dieser Wahl gingen hervor:
1.    als Sprechwart Moritz Schäfer mit 8 Stimmen
2.    Turnwart Theodor Fischer, einstimmig
3.    Schriftwart Wilhelm Schäfer
4.    Säckelwart Christian Roth
5.    Zeugwart Phillip Becker

Ein kleines Häuflein junger Leute begann mit großem persönlichen und materiellen Einsatz auf dem alten Schulturnplatz (hinter der evangelischen Kirche) mit dem Turnen. Es fanden sich weitere junge Männer, die die Übungsstunden besuchten und auch bei der Beschaffung von Turngeräten wie Reck, Barren, Klettergerüst und Sprungseilen behilflich waren. Wenig später zeigte sich auch die Gemeinde bereit, das Vereinsturnen zu fördern. Sie überließ dem Verein ein Sumpfgelände an der Hofheimer Straße (gegenüber der Tankstelle). Es wurde von den Turnern in mühevoller Arbeit trockengelegt und als Übungsplatz mit Turnhütte hergerichtet.
Das 1. Protokollbuch des Vereins dokumentiert bis 1898 in feiner Sütterlinschrift alle Vorstandssitzungen und Generalversammlungen, die Vereinssatzung, Inventar, Einnahmen und Ausgaben, Sieger von Gau- und Bezirksturnfesten sowie Mitglieder und Zöglinge (Jugendturner) und gibt damit Zeugnis von einem regen Vereinsleben.
In der 3. Generalversammlung am 6. März 1887 wurde ein Eintrittsgeld von 2 Mark festgesetzt. Der Monatsbeitrag für Mitglieder betrug 50, für Zöglinge 20 Pfennig. Der Vorstand sorgte dafür, dass beim Turnen strenge Disziplin herrschte. Wer seine Turnstunde ohne triftigen Grund versäumte, musste 15 Pfennig Strafe zahlen. Nach dem dritten Fehlen konnte der Ausschluss erfolgen.
Der neue Verein schloss sich nach seiner Gründung dem Main-Taunus-Bund an, verließ ihn jedoch 1886 schon wieder und gründete am 7.2.1886 in Marxheim zusammen mit den Turnvereinen Hattersheim, Kriftel, Massenheim, Marxheim und Sindlingen den Untertaunusverband, der sich später Untertaunusbund nannte. Der TV Lorsbach wurde mit der Ausrichtung des 4. Bundesfestes beauftragt, das am 30.6.1887 in Lorsbach stattfand. Dazu vermerkt die Vereinschronik: Während des Wetturnens setzte ein starker Gewittersturm ein. Alles flüchtete unter Tische, Bänke und Bäume des Schinderwaldes. Die Geräte wurden in die Scheune des Präsidenten Wilhelm Kräckmann gebracht und dort dem Wetter zum Trotze weitergeturnt. Nachmittags klärte sich der Himmel wieder auf und es gab noch echtes Turnerwetter.
Bei den jährlichen Turnfesten des Untertaunusbundes waren ein bis zwei Geräteübungen vorgeschrieben, wobei man zwischen Barren und Pferd wechselte. Außerdem gehörten volkstümliche Übungen dazu, die wir heute weitgehend der Leichtathletik zurechnen. Neben turnerischen Vorführungen gehörten zu einem solchen Fest der gesellige Teil mit Festdamen, Ehrungen der besten Turner und natürlich auch alkoholischen Getränken.

Im Jahre 1890 zählte der TV Lorsbach 30 Mitglieder. Eine Vereinsfahne wurde 1892 beschafft und ein Jahr später feierlich geweiht. Die Fahne war dabei, wenn die Lorsbacher Turner mit geschmückten Pferdefuhrwerken zu den Turnfesten der Umgebung zogen.
Laut Vereinschronik wechselten in den ersten Jahren nach der Gründung die TVL-Vorsitzenden in kurzen Abständen. Die erste längere Amtsperiode hatte Theodor Fischer von Januar 1895 bis Juli 1901. Bei seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Theodor Fischer musste noch einmal im 1. Weltkrieg von 1915 bis 1919 als Vorsitzender einspringen, um den damaligen zum Kriegsdienst eingezogenen 1. Vorsitzenden Karl Watkowiak zu vertreten.
Die ständig wachsende Turnbewegung in der Region unterstützte die Bemühungen des Untertaunusbundes um Aufnahme in den IX. Mittelrheinkreis der Deutschen Turnerschaft (D.T.). Nur die Mitgliedschaft berechtigte zur Teilnahmen an den großen Turnfesten. Man wollte Organisation und Ausbildung verbessern und vor allem der großen Gemeinde der Deutschen Turnerschaft angehören. 1903 wurde der Untertaunusbund mit dem Namen Untertaunusgau in den Mittelrheinkreis der D.T. aufgenommen. Damit gehört auch der TV 1885 Lorsbach seit 1903 der Deutschen Turnerschaft an. Durch die Mitgliedschaft in der D.T. konnte sich der TVL am 25. August 1903 erstmals am Feldbergfest beteiligen und stellte gleich zwei Sieger (Martin Kräckmann und Karl Kathrein).
Zu Beginn des Jahres 1910 verpachtete nach langen Verhandlungen die Gemeinde Lorsbach den Festplatz im Schinderwald für 99 Jahre an den Turnverein. Alle Ortsvereine halfen beim Roden und Einebnen und schufen damit einen Turn- und Festplatz. Die Herrichtung des Platzes kostete den Verein ca. 1.000 Mark. Die sechs anderen damals bestehenden Ortsvereine zahlten je 30 Mark Entgelt für dort abzuhaltende Feste.
1910 wurde auch das 25-jährige Vereinsjubiläum gefeiert.


Der Turnverein zwischen den Weltkriegen

Der 1. Weltkrieg forderte auch von Lorsbach seinen Tribut. Achtundzwanzig Lorsbacher fielen in seinen Schlachten, darunter sieben Turner.
1921 entstand eine Faustballmannschaft. Der Faustballsport wurde in Lorsbach bis in die fünfziger Jahre betrieben, und es gelang, viele Titel, von der Gau- und Bezirksmeisterschaft bis hin zu den Landesmeisterschaften zu erringen.
Drei Jahre später wurde die Wanderabteilung gegründet. In ihr fand sich eine frohe Runde, die regelmäßig die nähere und weitere Umgebung unserer Heimat durchstreifte und die Schönheiten der Natur abseits der Straße genoss. Den Abschluss eines Wanderjahres bildete über mehrere Jahrzehnte ein Marsch rund um Lorsbach, an dem oft mehr als 50 Wanderer teilnahmen.


1923 nahmen zwei Turner des TVL in Begleitung des 1. Vorsitzenden am 13. Deutschen Turnfest in München teil.

Vom vierzigjährigen Stiftungsfest wird aus der Chronik folgendes berichtet:
Bei herrlichem Wetter traten 178 Turner auf dem Festplatz im Schinderwald zum Wettkampf an. Doch unser Gebiet war französisch besetzt und die Besatzungsmacht fühlte sich provoziert. Sie befahl, innerhalb einer viertel Stunde jeglichen Fahnenschmuck in Lorsbach zu beseitigen. Anderenfalls werde der Festplatz durch Truppen gewaltsam geräumt. Der damalige Erste Vorsitzende Theodor Georg musste sich später vor einem Militärgericht verantworten und entging nur knapp einer Gefängnisstrafe.


Im August 1926 wurde von 16 Turnern eine Handballmannschaft gegründet, deren Spiele anfangs in Langenhain ausgetragen wurden, bis 1927/28 in eigener Regie ein Platz auf der Gundelhard fertiggestellt wurde. Für heutige Ansprüche undenkbar, handelte es sich bei dem Spielfeld eigentlich mehr um einen Acker, der sich mit damaligem Gerät auch nicht plan einrichten ließ. Trotzdem wurden auf diesem Platz, bergauf, bergab, viele Meisterschaftsspiele erfolgreich ausgetragen.

1928 nahmen Willi Wagner und Theodor Kathrein am 14. Deutschen Turnfest in Köln teil.

Im Sommer 1930 wurde eine Turnerinnen-Abteilung unter der Leitung von Willi Reccius gegründet. Bis dahin wurde das Turnen als reine Männersache betrachtet.


1933 Teilnahme des TVL am 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart.


1935 feierte der TV Lorsbach vom 29. Juni bis 1. Juli in einer für das Dorf gewaltigen Turnschau mit über 400 Turnerinnen und Turnern sein fünfzigjähriges Jubiläum. Es gab einen großen Festzug mit vielen Spielmannszügen und Vereinsfahnen durch die Straßen Lorsbachs bis zum Festplatz. Von den vierzehn Vereinsgründern konnten noch zehn das Jubiläumsfest miterleben.

Im Herbst 1935 wurde vom Turner Willi Fischer eine Frauenriege ins Leben gerufen.

1936 wurde im September der Grundstein zur alten Turnhalle, der Vorgängerin unserer jetzigen Halle, gelegt. Alle Turner erbauten gemeinsam in harter Arbeit die Halle und schufen so ein Heim für ihre Turnbewegung. Zwei Jahre nach Baubeginn wurde sie im Juli 1937 mit einem Turnfest eingeweiht. So ging für den TV Lorsbach ein langgehegter Wunsch endlich in Erfüllung.


1938 Teilnahme des TVL am 16. Deutschen Turnfest in Breslau.

Im Mai 1938 fanden zum ersten Mal die vom Verein ins Leben gerufenen „Lorsbachtal-Kampfspiele“ mit ca. 300 Teilnehmern statt.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges zählte der Verein 180 Mitglieder. 140 von ihnen wurden im Laufe des Krieges eingezogen.
Ende der dreißiger Jahre ließ der Spielbetrieb der Handballer nach, da viele Männer zum Wehrdienst eingezogen wurden. Mit Kriegsbeginn 1939 konnte keine Erste Mannschaft mehr gestellt werden. 1940/41 spielte nur noch eine Jugendmannschaft. Der Handball kam bis zum Kriegsende zum Erliegen und der Sportplatz auf der Gundelhard wurde wieder zu Ackerland. Im September 1945 wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen, und als im Winter 45/46 noch einige Spieler aus der Gefangenschaft zurückkehrten, konnte im März 1946 wieder mit einer Jugend- und einer Ersten Mannschaft an Verbandsspielen teilgenommen werden, allerdings wieder auf dem Sportplatz in Langenhain.
Im April 1946 übernahm unser Ehrenmitglied Willi Müller die Handballabteilung, und der Spielbetrieb blühte wieder auf. Zu der Ersten Mannschaft kam eine Zweite, eine Jugend- und sogar erstmalig eine Damenmannschaft. Sie hatte aber aus Mangel an Spielerinnen nur ein Jahr Bestand.

Im vorletzten Kriegsjahr wurde die Turnhalle zwangsweise an einen Rüstungsbetrieb vermietet, und das Turnen wurde eingestellt. Die Geräte brachte man bis zum Kriegsende in einer Scheune unter.


Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Krieg wurden alle Turnvereine von der Militärregierung aufgelöst und deren Vermögen beschlagnahmt. Sport aller Art wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht verboten. Am 8. September 1945 genehmigte die amerikanische Besatzungsbehörde in Hofheim schließlich eine Sportgemeinschaft für Lorsbach, die sich im Jahre 1946 in „Turn- und Sportgemeinschaft“ umbenennen durfte. Auf Bitten konnte dann Ende 1946 der alte, traditionsreiche Name „Turnverein 1885 Lorsbach im Taunus e.V.“ wieder geführt werden.
Die erste Mitgliederversammlung nach dem Krieg fand schon am 22.12.1945 statt.
Außer Leichtathletik und Turnen bildeten sich nun wieder die Abteilungen Handball und Faustball.

Die Festschrift von 1985 beschreibt die Jahre nach dem Krieg wie folgt:
Es war wohl das tiefste Tal, das unser Jubiläumsverein in seiner hundertjährigen Geschichte zu durchqueren hatte. Ringsherum alles zerstört und in Trümmern, die Menschen deprimiert und enttäuscht, die sinnlosen Verluste von Angehörigen und Freunden und die bange Frage nach der Zukunft. Als wir unsere Turnhalle nach dem Auszug des Rüstungsbetriebes wieder in Besitz nehmen konnten, erwartete uns ein trauriges Bild der Verheerung: Der Fußboden war durch die aufgestellten Maschinen schwer beschädigt worden, tiefe Löcher in den Wänden, die Fenster zerbrochen, die Toiletten beschädigt, überall Mörtel, Abfälle, Unrat …
Wie schon so oft in der Vereinsgeschichte begann wieder ein Aufbau aus dem Nichts, denn es gab nichts zu kaufen. Nur der Schwarzmarkt blühte. Nach und nach wurden die Schäden in Selbsthilfe und unter persönlichem Einsatz beseitigt und vieles instandgesetzt.

Von einer weiteren Begebenheit in dieser Zeit wird folgendes berichtet:
Als wir sonntags in die Halle zu den Übungsstunden an den Geräten kamen, trauten wir unseren Augen nicht: Ein Dieb war in der Nacht eingebrochen und hatte unser Pferd enthäutet! Durch die ruinierten Türen hatte er leicht eindringen können. Für ein Stück Leder hatte er einen Einbruch verübt und eine Strafe riskiert. Das zeigt, wie arm die Menschen damals waren. Vielleicht hat der Dieb seine durchgelaufenen Schuhe mit dem Leder des Pferdes neu besohlt. Es dauerte lange, bis das Pferd wieder eine Lederhaut hatte, dann aber auch diebstahlsicher aufbewahrt wurde.

Nach den Kriegsjahren wurde auch der Wunsch nach Frohsinn wieder wach.
Im Februar 1949 gliederte sich dem TV Lorsbach ein Vergnügungsausschuss an. Er brachte in der Karnevalszeit Abwechslung in das Lorsbacher Vereinsleben. Karnevalssitzungen, Büttenredner, Gesangsgruppen und Damenballett erheiterten die Menschen in der düsteren Nachkriegszeit.

In Lorsbach wurde weiter nach einem Gelände für einen Sportplatz gesucht. Man fasste die Sandkaut, Richtung Eppstein, hinter dem Cunosteg ins Auge. Nach einigen Arbeitsstunden musste man aber feststellen, dass sich mit Handarbeit kein Spielfeld herstellen lassen würde. So wurde der Platz auf der Gundelhard wieder bespielbar gemacht.

Im August 1950 wurde der Spielbetrieb der Handballabteilung aus mangelndem Interesse eingestellt.


Auf Wunsch der ehemaligen Handballer und einiger Jugendlicher wurde am 27. Juni 1951 eine Fußballabteilung gegründet.


Die Vergrößerung des Jahnturnplatzes am Schinderwald wurde immer dringlicher. Am 10. Januar 1952 konnte, nach langwierigen Verhandlungen mit Gemeinde-, Kreis- und Besatzungsbehörden, das erste, von der amerikanischen Besatzung gestellte Räumfahrzeug mit der Arbeit auf dem schwierigen Gelände beginnen.

Am 17. August 1952 wurde der auf 6.000 qm vergrößerte Turn- und Sportplatz mit einer kleinen Feier, bei der Faust- und Fußballspiele ausgetragen wurden, eingeweiht.

Die Handballabteilung unternahm im März 1953 noch einmal den Versuch eines Neubeginns. Handball wurde zum Hallensport, dafür war aber die Turnhalle zu klein.

Am 31. Mai 1953 fanden die ersten „Lorsbachtal-Faustballspiele“ auf dem Sportplatz statt. Sie wurden von Jahr zu Jahr erfolgreicher.

Am 20. Juni 1953 wurde von Mitgliedern der Fußballabteilung der 1. FC Lorsbach als selbstständiger Verein gegründet. Der Sportplatz wird seither von beiden Vereinen gemeinsam genutzt.

1953 Teilnahme des TVL am Deutschen Turnfest in Hamburg.

1955 Teilnahme des TVL am 2. Landesturnfest in Darmstadt.

1956 wurde der Innenraum der Turnhalle mit einem Kostenaufwand von 4.300 DM gründlich renoviert.

Im Mai 1956 erscheint zum ersten Mal die Vereinszeitung „Der Lorsbachtalturner“.

1958 Teilnahme des TVL am Deutschen Turnfest in München; die Anreise erfolgte mit einem Sonderzug. Teilnehmer: Roswitha Dude, Elfriede Polsfuß, Hiltrud Weyel, Heide Weyel, Hans Fischer, Willi Wagner und Jakob Weimar.

Pfingsten 1960 wurde das 75. Jubiläum gefeiert. Mit über 200 Wettkämpfern wurden die 21. Lorsbachtal-Kampfspiele ausgetragen. Ein großer Festzug durch Lorsbach zog bis zum Festzelt im Schinderwald. Viele Vereine aus der näheren und weiteren Umgebung beteiligten sich und bekundeten ihre Verbundenheit mit den Lorsbacher Turnern.

 


1960 gründet sich die Gruppe Jedermannturnen.

Mitliederstand 1961: 176 Erwachsene und 86 Kinder.

Im August 1961 gründet sich die bis heute aktive Frauenturngruppe.


TVL 1885 Lorsbach als Pionier der hessischen Laufbewegung

Früher als andere Vereine hat der TVL die Zeichen der Zeit erkannt und schon ab 1965 den Breitensport in sein Programm aufgenommen. Die Trimmbewegung hatte dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen zur Gesunderhaltung sportlich betätigen wollten. Die ersten Volksläufe fanden ab 1963 in Bayern statt und verzeichneten schnell wachsende Teilnehmerzahlen. Der spätere langjährige 1. Vorsitzende des TVL Klaus Kräckmann hatte in seiner Zeit als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr in Mittenwald an Volksläufen über 10 km teilgenommen und brachte die Idee mit nach Lorsbach. 

Am 15.9.1968 wurde der erste Lorsbachtal-Volksmarsch auf dem Sportplatz im Schinderwald gestartet. Marschiert wurde eine 10-km-Runde, die zunächst über Ortsstraßen, dann in steilem Anstieg durch den Wald in Richtung Langenhain führte und wieder am Sportplatz endete. Beim ersten und einzigen Volksmarsch gingen 1.200 Teilnehmer an den Start, darunter sehr viele Lorsbacher. Für den TVL und Lorsbach war das eine gewaltige Menge, die in den folgenden Jahren nie wieder erreicht wurde.

1968 Teilnahme des TVL am Deutschen Turnfest in Berlin.

Mit einem Volkslauf mit Volkswandern auf gleicher Strecke wurde im Juni 1969 die Volkslauftradition in Lorsbach begründet. Auch mit seinen Wintermarschserien seit 1970 war der TV Lorsbach auf der Höhe der Zeit.
1970 fanden die letzten Lorsbachtal-Kampfspiele statt. Sie wurden 31 Mal ausgetragen.

Seit 1973 wird in Lorsbach auch Karate trainiert.

1973 wurde ein gemeinsamer Erbbaurechtsvertrag für den Sportplatz im Schinderwald zwischen der Stadt Hofheim und den beiden Sportvereinen, TVL und 1. FCL,  mit einer Laufzeit von 50 Jahren unterzeichnet.

Die Abteilung Moderner Fünfkampf war von 1976 bis Mitte der 80er Jahre im Turnverein aktiv. Der Gründer dieser Abteilung, Norbert Kühn, der schon in seiner Kindheit im Turnverein aktiv war, ist der erfolgreichste Sportler unseres Vereins. Er wurde 1978 mit der deutschen Mannschaft Vizeweltmeister und Fünfter der Einzelwertung. Insgesamt nahm er sechsmal an Weltmeisterschaften teil und wurde zwischen 1975 und 1980 dreimal deutscher Meister. Ganze 13 Mal wurde er Hessenmeister.

In den achtziger Jahren sah der TV Lorsbach schwerpunktmäßig seine Aufgabe im Freizeit- und Breitensport für Mitbürger aller Altersgruppen.

Von 1985 bis 1988 fand eine jährliche Orientierungsfahrt statt.

Als Jahresabschluss wurde alljährlich ein Familienabend mit buntem Programm aus dem TVL Vereinsleben gefeiert.


100 Jahre TVL

Sein hundertjähriges Jubiläum feierte der TV Lorsbach vom 6. bis 9. September 1985 mit Vergnügungspark und Festzelt in der Talstraße. Auch bei diesen Feierlichkeiten bewegte der Turnverein ganz Lorsbach, denn schon freitags beim Sternmarsch der Vereine begaben sich mehrere hundert Menschen auf den Weg zum Festzelt. Das dreitägige Fest zog viele Menschen in seinen Bann. Ein Höhepunkt war sicher der Auftritt der Mainzer Hofsänger beim Bunten Abend.

Eine besondere Ehre war anlässlich des Jubiläums die Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten Richard von Weizäcker als Auszeichnung für die in langjährigem Wirken erworbenen besonderen Verdienste um die Pflege und Entwicklung des Sports. Sie wurde anlässlich des 25. Hessentages in Alsfeld im Mai 1985 zusammen mit der Verleihungsurkunde durch Minister Armin Claus an Gerhard Katrein und Uschi Pokorny als Vertreter des TV Lorsbach überreicht. Leider ging diese Plakette wie weitere wichtige Unterlagen des Vereins einige Jahre später verloren.

Folgende Abteilungen und Gruppen gab es im Jubiläumsjahr: Frauenturnen; Rhytmische Gymnastik; Jazzgymnastik; Aerobic; Bodengymnastik; Gymnastik mit Keulen, Reifen, Ball und Stab. Weitere Gruppen waren: Mutter-und-Kind-Turnen; Kinderturnen; Jedermannturnen mit Spiel und Gymnastik; Volleyballgruppe; Leichtathletik (Kinder, Frauen, Männer); Moderner Fünfkampf; Karate; Prellball; Basketball; Wanderabteilung und Sportkegeln in Hofheim.

Mitgliederstand 1985: 239 Erwachsene und 71 Kinder.

Doch das Vereinsleben in den Jahren vor und nach dem Jubiläum war auch von Schwierigkeiten geprägt. Dem Verein fehlten vor allem erwachsene Aktive. Ein Zitat aus der Festschrift von 1985 macht die Sorgen der Vereinsführung deutlich:
Wir leben in einer Zeit des Umbruchs in vielen Bereichen unserer Gesellschaft und erleben heute mehr oder weniger bewusst, wie eine andersartige, neue Gesellschaft aus unserer Mitte hervorgeht. Ihre Begriffe von Raum, Zeit, Arbeit, Religion und Sexualität wandeln sich unaufhörlich. Bei vielen ist die Folge Ratlosigkeit. So mancher Konflikt ist unmittelbar auf diesen schnellen Wandel zurückzuführen. Spannungen entstehen auch, weil der Einzelne in der Hektik dauernder Veränderungen die Bindung zur Gemeinschaft verliert. Wer kann aber schon ohne menschliche Bindungen existieren?

Der Familienabend wurde ab 1985 im Oktober als Herbstfest im Löwensaal gefeiert.

Die von Helga Benkel geleitete Kinderturngruppe brachte dem Verein neuen Schwung. Die engagierte Übungsleiterin baute seit Ende der siebziger Jahre die Gruppe kontinuierlich auf, motivierte Eltern zur Mithilfe und machte die Gruppe für viele Kinder interessant. 1999 verstarb Helga Benkel völlig unerwartet und hinterließ eine große Lücke. Dem Engagement einiger Mütter ist der Fortbestand der Gruppe zu verdanken.

Die alte Turnhalle entsprach nun nicht mehr den modernen Vorstellungen, und die Verwirklichung eines Neubaus wurde immer mehr zum Hauptthema des Vereinslebens. Zum hundertjährigen Jubiläum ließ es sich aber nicht realisieren. Eine Weiterentwicklung des Sportangebots war nicht möglich. Manche Gruppen konnten keine neuen Teilnehmer mehr aufnehmen, und neue Gruppen konnten sich, bis auf eine Badmintongruppe (1997), nicht mehr gründen.


Erfolge der Leichtathleten

Anfang der 90er Jahre gab es eine kurze, aber sehr erfolgreiche Zeit der TVL-Leichtathleten. Verbunden waren diese herausragenden Erfolge mit dem Trainer Robert Schieferer aus Bad Soden sowie mit dem Lorsbacher Günther Wagner, der als Abteilungsleiter fungierte und gleichzeitig einige Athleten als Trainer betreute. Während ihrer Trainertätigkeit beim TVL wurden zahlreiche Titel auf Kreis-, Bezirks- und Hessenebene errungen. Höhepunkt der Lorsbacher Erfolge war ohne Zweifel der Gewinn des Süddeutschen Meistertitels sowie des Titels Deutscher Hochschulmeister durch den Hofheimer Johannes Merkle im Dreisprung. Oftmalige Hessenmeister waren in dieser Zeit die Lorsbacherin Nicole Gerner (heute Duschek) im Sprint der Frauen (100 m und 200 m) sowie der Weilbacher Christian Haag im 400-m-Hürdenlauf und im 400-m-Lauf der Männer. Der Hattersheimer Dominic Kuprasch war oftmaliger Bezirksmeister im Sprint und im Weitsprung und platzierte sich auch auf Hessenebene stets unter den Besten. Philipp Weishaupt hatte seine größten Erfolge bei den Leichtathletik-Wettbewerben der Turner und war mehrmaliger Hessenmeister sowie Feldbergfestsieger im Dreikampf. Viele der damals erzielten Leistungen sind noch heute Kreisrekorde und stellen auch auf Bezirks- und Hessenebene absolute Spitzenleistungen dar.

Als 1996 der langjährige Wanderwart Hermann Kräckmann verstarb, löste sich die Wandergruppe aus Altersgründen auf.

2000 fand der 1. Duathlon während der Schinderwaldläufe statt.

Seit 2001 ist der TVL im WorldWideWeb vertreten – die Internetseite geht ans Netz

2002 Teilnahme unseres Ehrenmitglieds Heidi Kühnel am Deutschen Turnfest in Leipzig.


Neubau der Sporthalle am Schinderwald

Nach rund 20 Jahren erfolgloser Bemühungen für eine neue Sporthalle in Lorsbach konnte am 15. Oktober 2001 mit dem Abriss der seit 1936 genutzten baufälligen Halle begonnen werden. 
Bevor es mit dem Neubau losgehen konnte, waren jedoch einige Probleme zu bewältigen. Die Finanzierung musste gesichert und Grundstücksangelegenheiten geregelt werden.

Mitglieder im Bauausschuss waren: Karl-Heinz Brestel, Peter Clasen, Jutta Ernst (Vorsitzende Bauausschuss), Manfred Frank, Bruno Gandor, Uschi Hansen, Michael Hartlieb, Klaus Kräckmann, Horst Lehr, Dagmar Mauer, Uschi Pokorny, Alexandra Rommel, Christina Schlicht (2. Vorsitzende), Wim Telder, Günter Wagner.

Das Architekturbüro Müller & Müller aus Hofheim wurde mit der Planung und Bauleitung der Halle beauftragt.
Durch die Vorgaben der Genehmigungsbehörden war es nicht möglich von der Stange zu bauen. Alles musste den Örtlichkeiten angepasst werden, was die Baukosten in die Höhe trieb.

Ein kleiner Wermutstropfen im Vorfeld war die Ablehnung der Kegelbahn und eines gastronomischen Betriebes, der die Finanzierung und Unterhaltung der Sporthalle erleichtern sollte. Zum Glück wurde immerhin der Bau des Gymnastikraums genehmigt.

Manch einer trauerte dem Duscherlebnis in der alten Halle nach und forderte einen Wiederaufbau der alten Turnhalle im Hessenpark. Dieser nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag wurde jedoch nicht weiter verfolgt.

Die Größe der Turnhalle musste sich dem bebaubaren Areal des Grundstücks anpassen. Das sogenannte Baufenster wurde in vollem Umfang ausgenutzt.


Den größten Anteil der Finanzierung übernahm die Stadt Hofheim mit 74%. Elf Prozent wurden vom TVL in Form von Barmitteln, Eigenleistung und Bankdarlehen geschultert. Den Rest teilten sich der Main-Taunus-Kreis als Schulträger, da die Halle auch als Schulsporthalle genutzt werden sollte, und der Landessportbund. Größter privater Sponsor war die Naspa-Stiftung „Initiative und Leistung“.

Eine Bausteinaktion zur Aufstockung der Eigenmittel war ein voller Erfolg.

Karl-Heinz Brestel hatte nach den Plänen des Architekten Müller ein maßstabgetreues Modell der Halle gebaut. Dadurch wurden die auf dem Papier vorhandenen Pläne zum Leben erweckt. Jeder konnte so einen realistischen Eindruck von der geplanten Halle gewinnen.

Die geplanten Kosten beliefen sich auf 1.942.413,19 Euro.

Ca. 50.000 Euro, die außerplanmäßig nötig waren um den Baugrubenverbau zusätzlich zu sichern, mussten an anderer Stelle eingespart werden. Am Ende lagen die realen Kosten lediglich 0,4% über dem Plan!

Die Bauausschussmitglieder waren täglich an der Baustelle vertreten und kontrollierten den Baufortschritt. Immer wieder wurden Experten aus den Reihen des TVL zu Rate gezogen, und gemeinsam mit dem Architekten und den Baufirmen wurden Probleme z.B. bei der Entwässerung unter der Halle erkannt und behoben. Alle vom TVL angesprochenen Fachleute – vom Handwerker über Ingenieure bis hin zum Rechtsanwalt – halfen dem Verein engagiert und kostenlos bei der Durchführung der Baumaßnahme.


Plötzlich auftretende Feuchtigkeit in den Umkleideräumen kurz vor der Einweihungsfeier war auf eine fehlerhafte Installation zurückzuführen. Durch das Aufstellen von Trocknungsgeräten konnte hier ein größerer Schaden verhindert werden. Diverse Insolvenzen von ausführenden Firmen erschwerten die Aufgaben zusätzlich.

Die Übungsleiter waren in dieser Zeit erheblich gefordert, doch fast alle Übungsstunden konnten aufrechterhalten werden. Einige Gruppen gingen zum Training in den Löwen-Saal. Andere wichen auf andere Hallen im Stadtgebiet aus.

Die Vorfreude auf die neue Halle war riesig, schon während der Bauphase zeichnete sich eine ansteigende Mitgliederzahl ab. Bei der Einweihung hoben die Vertreter von Land, Kreis und Stadt das besondere Engagement des TVL für den Bau der neuen Halle hervor und lobten die Kreativität des Vereins, der sich auch in den schwierigen Zeiten ohne Halle sein Sportangebot aufrechterhalten hatte.


Chronik des Turnhallenneubaus

6.9.2000         Antrag zum Abriss der alten Halle
11.11.2000     Vorstellung des geplanten Neubaus und Startschuss für den Bausteinverkauf beim Herbstball
März 2001       Bauantrag Neubau Halle
29.8.2001       Bewilligung durch Hessisches Ministerium des Inneren und für Sport
15.10.2001     Abbruch Altbau und Baugrubenaushub
13.8.2002       Richtfest mit Grundsteinlegung durch Bürgermeisterin Gisela Stang und Landrat Berthold Gall
19.3.2003       offizielle Fertigstellung
28.3.-30.3.2003    Einweihungsfeierlichkeiten
29.5.2006       Abschluss der Arbeiten am Außengelände

Die Fertigstellung der „Sporthalle am Schinderwald“ war für den TVL ein großer Schritt. Das Sportangebot konnte umfassend erweitert werden: Badminton, Prellball, Volleyball waren endlich auf Spielfeldern mit offiziellen Maßen möglich, der FC Lorsbach freute sich über Trainingsmöglichkeiten im Winter, die Karate-Abteilung kehrte aus Diedenbergen zurück. Neu hinzu kam Tanzsport, Angebote im Gesundheitssektor, Kickboxen, verschiedene Outdoor-Angebote usw. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass die Räumlichkeiten voll ausgenutzt wurden. Nicht zuletzt profitierte auch die Lorsbacher Grundschule, die den Schulsport wieder unter optimalen Bedingungen durchführen konnte.


Tanzsport in Lorsbach

Großen Zuspruch fand der TVL nach dem Hallenneubau auch durch die Gründung einer Tanzsportabteilung. Mit Rebecca Gerstberger wurde eine erfahrene Trainerin und Abteilungsleiterin gefunden. Im Jubiläumsjahr besteht die Tanzsportabteilung aus acht Gruppen, zahlreichen Solos und Duos und erzielt deutschlandweit beachtliche Erfolge.
Nach Einweihung der neuen Turnhalle wurde das Herbstfest durch die Sportgala ersetzt, die heute schwerpunktmäßig von der Tanzsportabteilung veranstaltet wird. Ehrungen der Vereinsmitglieder werden beim Herbstkaffee vorgenommen.

Bunt gemischtes Sportangebot

Nach der Turnhalleneinweihung bildeten sich auch viele Outdoor-Gruppen im TV Lorsbach. Das Interesse einzelner Mitglieder an neuen Sportarten fand schnell weitere Begeisterte. Neben den Lauftreffs und dem Walkingtreff (seit 1999) bildeten sich die Moutainbikegruppe und der Nordic-Walking-Lauftreff.

Für das Deutsche Sportabzeichen wird unter Anleitung von Heidi Kühnel seit 2003 auf dem Lorsbacher Sportplatz trainiert.

2003 bildeten sich weitere Gymnastikgruppen; im Angebot bis heute sind Skigymnastik, StepAerobic und BauchBeinePo (Total Body Conditioning).

Eine Schul AG der Lorsbacher Grundschule und des 1. Judo Clubs Hofheim bietet kleinen Judokas die Möglichkeit, in diese Kampfsportart hineinzuschnuppern.

Seit dem 8. September 2003 besteht die Herzsportgruppe, die von Beginn an mit ärztlicher Betreuung stattfindet.
2003 wurde von Jürgen Busch die Tischtennisgruppe gegründet, damals ausschließlich für Kinder und Jugendliche. 2005 konnte auch eine Herrenmannschaft an den Start gehen.

Mit den Bewohnern der neuen Asylbewerberunterkunft feiert der TVL ein Integrationsfest.

Ging auch nach der Jahrtausendwende die erfolgreiche Zeit der TVL Leichtathleten auf Hessenebene zu Ende, wurde doch das Angebot der Kinderleichtathletik weiter aufrechterhalten.

Eine stattliche Gruppe besuchte mit ihrer Trainerin Jutta Ernst die Wettkämpfe und Volksläufe in der Region. Immer verlockend für die männlichen Jugendlichen ist natürlich auch das Angebot des benachbarten Fußballvereins. Jugendliche über viele Jahre beim TV Lorsbach zu halten war schon immer keine leichte Aufgabe.

Seit Sommer 2004 gibt es deshalb auch das TeensTriathlonTeam, ein weiteres attraktives Angebot des TVL. Schwimmen, Radfahren und Laufen, Disziplinen die vielen Jugendlichen Spaß bereiten und als Wettkampfkombination eine große Herausforderung darstellen.

2005 Teilnahme des TVL am Internationalen Deutschen Turnfest in Berlin durch Heidi Kühnel.

2007 rief der TV Lorsbach gemeinsam mit der TGS Langenhain und der SG Wildsachsen den WLL Schülerlauf-Cup ins Leben. Gewertet werden die Schülerläufe der Volkslaufveranstaltungen der drei Vereine. Die Wilhelm-Busch-Schule in Langenhain und die Lorsbacher Grundschule fördern die Teilnahme. Ziel ist es, die Läufe der jeweiligen Vereine interessanter zu machen und auch vereinsferne Grundschulkinder zur Teilnahme zu motivieren.

Seit 2008 bietet der Turnverein Bürgerinnen und Bürgern mit geringem Einkommen im Rahmen der Hofheim Pass eine beitragsfreie vollwertige Mitgliedschaft an.

Im Mai 2008 wird der TVL mit dem Heinz-Lindner-Preis des Landessportbundes Hessen ausgezeichnet und erhält vom lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und von Ralf-Rainer Klatt, Vorsitzender des Landesauschusses Breitensport und Sportentwicklung, einen Scheck über 1.500 Euro.

Die Steigerung von 386 Mitgliedern im Jahr 2000 auf heute 754 verdeutlicht, dass ein zukunftsorientierter Turnverein auf die demografische Entwicklung und Wünsche der Bevölkerung erfolgreich reagiert hat, hob der Juryvorsitzende anerkennend hervor. Mit der Angebotspalette konnten insbesondere weibliche Mitglieder gewonnen werden. Bis zum zehnten Lebensjahr bietet der Verein drei parallele Basis-Trainingsformen im Bereich Turnen, Leichtathletik und Tanz, wobei die Möglichkeit besteht, sich anschließend auf einzelne Sportarten zu spezialisieren, so Klatt.

2009 nahm die Polkaformation Sharks an der Europameisterschaft in Belgien teil, qualifiziert durch den Sieg bei den Deutschen Meisterschaften der Schülerklasse.

Marlin Krohn wird Hessenmeisterin und Zweite bei den Deutschen Meisterschaften im Gardetanz Solo in der Schülerklasse.

Nicole Borell wird Hessenpokalsiegerin in der Hauptklasse Gardetanz Solo.

Marius Overdick aus dem TeensTriathlonTeam wird Vize-Hessenmeister im Duathlon.

2009 erhält der TVL den Seniorensportpreis vom Land Hessen

50. Schinderwaldläufe

Im Jubiläumsjahr 2010 wurden die 50. Schinderwaldläufe durchgeführt. Damit ist der TV 1885 Lorsbach der hessenweit älteste Volkslaufveranstalter, wofür er im Juni 2010 vom Hessischen Leichtathletikverband ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus haben die seit dem Winter 1970/71 ununterbrochen durchgeführten vierzig Winterlaufserien zum guten Ruf Lorsbachs als Austragungsort für Laufveranstaltungen beigetragen.
Der Duathlon wurde in diesem Jahr erstmals zusätzlich auf verkürzter Strecke auch mit einer Jugendwertung durchgeführt.
Ein Vergleich mit den ersten Laufwettbewerben vor mehr als 40 Jahren zeigt, dass sich die Welt der Volksläufe in dieser Zeit gründlich gewandelt hat: Die Ergebnisse der ersten Läufe wurden noch per Hand gestoppt, und bis die gelaufenen Zeiten in Listen zusammengestellt waren, waren mindestens 5 Helfer über mehrere Stunden beschäftigt. Heute erfolgt die Voranmeldung über das Internet, die Zeit wird für jeden Sportler elektronisch genommen, die Ergebnisliste für jeden Lauf wird unmittelbar nach dem Zieleinlauf des Letzten ausgehängt und ins Internet eingestellt, und bei der Siegerehrung werden die ausgedruckten Urkunden überreicht.

Kinder im TVL

Nicht erst seit Computer und Spielekonsole Einzug in die Kinderzimmer gehalten haben hat der TVL die Notwendigkeit eines fachgerechten Angebotes für Kinder aller Altersgruppen erkannt. Außerdem braucht das Vereinsleben junge Menschen mit Ideen und Tatendrang für eine gute Weiterentwicklung.

Das Sportangebot für Kinder wird seit Mitte 2010 im KinderSportClub zusammengefasst – ein Breitensportangebot als Basis für alle wettkampfrelevanten Sportarten, das mit Spiel und Spaß viele Kinder in Bewegung halten soll.
Die sportlichen Erfolge von TVL-Mitgliedern, die im Kleinkindalter ihre ersten Sporterfahrungen in Lorsbach machten und inzwischen für andere Vereine in Spezialdisziplinen an den Start gehen, zeigen, dass in unserem Verein gute Basisarbeit geleistet wird.

So wurden Peter Hartlieb und Marcel Reimer für den Judoclub Hofheim im Ju-Jutsu Deutscher Meister. Außerdem wurde Peter Hartlieb in seiner Altersklasse U21-Vizeeuropameister. Jan Moritz Overdick, im Basketball für den TV Langen und den TV Hofheim aktiv, wurde im Jubiläumsjahr mit der U14 des TV Langen Süddeutscher Meister und Dritter bei den Deutschen Meisterschaften in Köln.

Sportliche Erfolge im Jubiläumsjahr

Der TVL konnte auch im Jubiläumsjahr an seine Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen.
Auf Hessenebene wurde Elaine Baechle Erste in der Schülerklasse Gardetanz Solo und Dritte bei den Deutschen Meisterschaften.

Im TeensTriathlonTeam wurde der 16-jährige Marius Overdick in diesem Jahr Hessenmeister im Duathlon. Im HTV-Cup, einer Wettkampfserie des Hessischen Triathlonverbandes, belegte Marius Overdick in der Alterklasse Jugend A ebenfalls den 1. Platz.

Die Tischtennisabteilung startet als Aufsteiger in der Kreisliga in die neue Saison.


Sportplatzneubau

Am 23. April 2010 wurde der bestehende Erbbaurechtvertrag für den Sportplatz um weitere 20 Jahre bis zum 14.11.2043 verlängert.

Kurz vor den Jubiläumsfeierlichkeiten fand am 9. September der 1. Spatenstich für die Umbaumaßnahmen am Sportplatz statt. Gemeinsam mit dem 1. FC Lorsbach baut der TVL eine moderne Sportanlage mit 100-m-Kunststofflaufbahn, Sprunggrube, Multifunktionsplatz und Kugelstoßanlage. Die Fußballer erhalten ihren langersehnten Kunstrasenplatz. Großzügige finanzielle Unterstützung für dieses Projekt erhalten wir von der Stadt Hofheim, dem Main-Taunus-Kreis und vom Land Hessen.

Für alle sportbegeisterten Lorsbacher stellen die beiden Sportvereine Gelände für den Bau eines öffentlichen Bolzplatzes durch die Stadt Hofheim zur Verfügung.

Nach Abschluss der Baumaßnahmen im Spätherbst werden wir eine Sportanlage besitzen, die modernen Anforderungen entspricht und auch in den Wintermonaten als Trainingsstätte nutzbar sein wird.

Es ist nicht leicht, die Geschichte eines so aktiven Vereins über 125 Jahre lückenlos darzustellen, viele Menschen zu befragen und das Wichtigste zusammenzufassen. Sollte jemand wichtige Ereignisse vermissen, ehemalige Gruppen nicht erwähnt sehen, so bitten wir um Rückmeldung, damit bei nächster Gelegenheit die Chronik ergänzt werden kann.

In einem Sportverein ist der Blick zwar in erster Linie nach vorn gerichtet, doch unsere Aufgabe ist es auch, für nachfolgende Generationen den jeweiligen Zeitgeist festzuhalten und die geschichtliche Entwicklung möglichst vollständig zu dokumentieren. Denn auch wir betrachten in unserem Jubiläumsjahr die Bilder der früheren Aktiven und die damaligen Sportstätten mit staunendem Interesse.

Die neue Turnhalle hat dann massgeblich die Mitgliederentwicklung der letzten Jahre beeinflußt.

Durch das vielfältige neue Sportangebot konnten zahlreiche neue Mitglieder gewonnen werden die nun aktiv in vielen Sportarten den TV Lorsbach  repräsentieren.

Mitgliederentwicklung

Mitgliederverteilung





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